BEOBACHTUNG UND DOKUMENTATION IN REGGIO PÄDAGOGIK

Anna Narloch-Medek, Klemens Medek

 

Anerekennendes Interesse

Eine Dokumentation soll anhand von schriftlich festgehaltenen Beobachtungen und kommentiertem Bildmaterial vor allem verdeutlichen, womit sich das Kind beschäftigt, wofür es sich besonders interessiert, wie es sich mit Fragen und Problemen auseinandersetzt, die ihm begegnen, welche Kreativität es beim Spielen und Gestalten entfaltet. Nicht Kontrolle und Klassifizierung stehen im Vordergrund sondern fachliches und persönliches Interesse der Erzieherin an dem, was das Kind tut, und daran, wie es das tut.

Die Bedeutung der Perspektive

Die Perspektive der Erzieherin unterscheidet sich von der des Kindes oder der der Eltern. Diese unterschiedlichen Perspektiven gilt es bewusst zu berücksichtigen. Kinder sehen anders als Erwachsene. Nicht nur, weil sie die Welt aus einer geringeren Augenhöhe wahrnehmen. Auch im übertragenen Sinn haben Kinder häufig eine andere Perspektive als Erwachsene. Viele Dinge haben für sie eine andere Bedeutung, schon deshalb, weil vieles, was Erwachsenen altbekannt ist, für sie neu und aufregend ist. Daher besteht eine ständige erzieherische Aufgabe darin, herauszufinden, was für ein Kind bedeutsam ist und was nicht. Die Perspektive der Kinder, die sich aus ihrer Lebenswelt ergibt, zum Ausgangspunkt der pädagogischen Planung zu machen, ist ein Eckpfeiler der Reggio-Pädagogik.

Teams sehen mehr als Einzelne

Der Beitrag der Kollegin stellt meistens nicht die eigene Beobachtung in Frage, sondern macht auf zusätzliche Aspekte aufmerksam und differenziert so das Gesamtbild. Auch die Auswertung von Beobachtungen ist ebenso dann besonders ergiebig, wenn sie im Team durchgeführt wird.

Beobachten als Alltegsroutine

Mittels eines Logbuches können Wahrnehmungen und Eindrücke des pädagogischen Alltages gesammelt, geordnet und geprüft werden. Niedergeschrieben
wird täglich das, was vorn Tagesverlauf in Erinnerung geblieben ist. Dies können kleine Alltagssituationen, besondere Ereignisse oder auch persönliche An- merkungen sein. Mehr als fünf Minuten sollten die Aufzeichnungen nicht in Anspruch nehmen! Diese zeitliche Begrenzung ist wichtig, denn sie hält den Arbeitsaufwand in zumutbarem Rahmen, sie zwingt zu einer gewissen Spontaneität der Auswahl, und sie unterstützt eine Form der Niederschrift, die eher beschreibt als bewertet. Durch das schriftliche Festhalten werden Beobachtungen besser mitteilbar und auch präziser.

Portfolios

Im Sinne einer Sammlung wertvoller Arbeiten, die eigene Kompetenzen und Entwicklungen aufzeigen, wurde der Portfoliobegriff im Bildungsbereich über- nommen. Im pädagogischen Sinn versteht man unter Portfolio eine zielgerichtete Sammlung von „Dokumenten“ (z. B. Werke von Kindern, Fotos, Beobachtungen). Die Idee des pädagogischen Portfolios ist, diese Mappen nicht nur für Sammlungen zu nutzen, sondern zugleich auch gemeinsam mit dem Kind über das Gesammelte und die dabei gemachten Lernerfahrungen zu reflektieren. Das Portfolio wird von allen am Prozess beteiligten Personen gestaltet (Kind, päda- gogisches Fachpersonal, Familie), ist aber grundsätzlich das Eigentum des Kindes. Eine zentrale Funktion des Portfolios ist es, den Blick auf die Kompetenzen und Stärken des Kindes zu lenken. Der Dialog ist ein zentrales Element der Portfolioarbeit. Bei der Auswahl und Gestaltung der Portfoliobeiträge und beim ge- meinsamen Betrachten der Portfoliomappen ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Darüberhinaus ist das Portfolio in besonderem Maße Informationen über die interne Bildungsarbeit mit Eltern und anderen Bildungspartnern auszutauschen.